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Neid+Liebe
Die Neider sterben wohl, doch niemals stirbt der Neid (Moliere)

 
Neid entsteht also, wenn wir etwas begehren, es nicht bekommen, aber ein anderer es bereits in seinem Besitz hat. Für das Gefühl Neid macht es zunächst keinen Unterschied, ob der Beneidete unser Partner, die beste Freundin oder ein Arbeitskollege ist. In der Liebesbeziehung allerdings sind das positive Liebesgefühl und das negative Neid-Gefühl auf ein und denselben Menschen gerichtet. Deswegen fällt es uns sehr schwer, uns zu unserem Neid zu bekennen – sowohl in unserer Selbstwahrnehmung als auch gegenüber dem geliebten Menschen. Kretzschmars öffentliches Eingeständnis ist mutig – und gleichzeitig ein Zeichen innerer Stärke.

Der Studentin Mandy fällt es im Gegensatz zu Kretzschmar schwer, sich einzugestehen, dass sie neidisch auf ihren Partner ist: Gemeinsam mit ihrem Freund Mike ist sie seit vier Semestern an einer Bauhochschule eingeschrieben. Sie und Mike haben sich während der Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen ineinander verliebt. Sie hat mit ihm Vokabeln gebüffelt, er hat mit ihr mathematische Formeln auseinander genommen. Sie haben es genossen, miteinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und bei den Prüfungen einander die Daumen zu drücken.

Ihr gemeinsames Interesse ist die Architektur. Deshalb bewerben sie sich an derselben Hochschule. Sie versprechen sich, füreinander einzustehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie wollen ihre Talente und Fähigkeiten zum beiderseitigen Vorteil gemeinsam nutzen. Was der eine nicht kann, soll der andere ergänzen.

Während der ersten Wochen des Studiums geraten Mandy und Mike erstmals an die Grenzen ihres Konzepts: Schnell stellt sich nämlich heraus, dass es Mike deutlich leichter fällt als Mandy, die allgemeinen Anforderungen zu erfüllen. Beispielsweise geht er sehr viel spielerischer mit Computern und Software um.

Entsprechend ihrem Beziehungsideal erwartet Mandy nun, dass Mike ihr hilft, genauso gut zu sein wie er. Mike versucht, was er kann, stellt aber fest, dass er dadurch einen Teil von Mandys Studium für sie übernimmt. So sehr er sie liebt, so viel zusätzliche Belastung mag er nicht einfach hinnehmen. Mike fühlt sich überfordert und Mandy fühlt sich zurück gesetzt und im Stich gelassen. Sie verdächtigt ihren Freund, sie abhängen zu wollen, um keine lästige Konkurrenz im eigenen Haus ertragen zu müssen. Sie ist enttäuscht von seiner mangelnden Hilfsbereitschaft – zumal er nach ihrer Ansicht gegen gemeinsame Abmachungen verstößt. Die Enttäuschung überlagert ihre neidischen Gefühle darauf, dass ihm alles scheinbar spielerisch gelingt, während sie sich unendlich quälen muss. Das böse N-Wort selbst kommt ihr allerdings nicht über die Lippen.
 

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